Herbst also…

von Hinnerk Weiler am 25.09.2020 / in Allgemein

Der für viele Wassersportler vermutlich kürzeste Segelsommer der vergangenen Jahrzehnte ist offiziell zu Ende. – Seit dem 22. September 2020 um 15:31, um genau zu sein.

Dieser Zeitpunkt markierte die Tagnachtgleiche. Den Augenblick, an dem sich die Sonne über uns genausolange am Himmel zeigte, wie sie es nicht tat. Dieses, etwas wissenschaftlicher, Equinox genannte, Phänomen gibt es nur zwei Mal im Jahr. Jeweils um den 20. März und um den 23. September herum sind die einzigen Tage im Jahr, an denen der Spruch stimmt:

Im Osten geht die Sonne auf, zum Süden nimmt sie ihren Lauf, im Westen will sie untergehen, im Norden ist sie nie zu seh‘n.

Denn tatsächlich geht an diesen Tagen die Sonne exakt im Osten auf und im Westen unter. Sogar in Lappland, wo sie im Hochsommer durchaus auch eine Weile im Norden gut zu sehen ist.

Wer einen Törn in Nord-Süd-Richtung unternimmt, kann das über Tage hinweg selbst nachvollziehen: Richtung Lofoten oder in den Bottnischen Meerbusen beispielsweise. Dort geht die Sonne in der ersten Sommerhälfte täglich etwas weiter nördlich auf und nach der Sommersonnenwende entfernen sich Auf- und Untergangspunkt dann immer weiter voneinander. Wer weit genug fährt, sieht sie nur über den Horizont hinweg gleiten.

Wer nicht ganz so weit nach Norden reist, sieht in Nordeuropa die Sonne während der Sommermonate im Nordosten auf und im Nordwesten untergehen. Seit dem herbstlichen Äquinoktium, gilt das nicht mehr. Jetzt gelangt die Sonne bis in die südlichen Quadranten. Analog zum sommer geht das noch eine Weile so weiter, bis sie zur Wintersonnenwende weit im Südwesten verschwindet und erst im Südosten wieder hervorkommt. Je weiter nördlich man sich jetzt begibt, desto weiter nach Süden verschieben sich auch diese Auf- und Untergangspunkte. Bis, dort, wo im Sommer die Sonne im Norden zu sehen war, sie es nicht mehr über den Horizont im Süden schafft und die lange Polarnacht einläutet.

Umgekehrt verlangsamt sich das Phänomen der kürzer werden Tage, je weiter man nach Süden in Richtung Äquator reist. Durchaus ein Ansporn für einen Wintertörn in der Adria …

Für alle, die bleiben ist der traurige Kern der ganzen Geschichte aber auch ohne astronomische Hintergründe leicht zu beobachten: Bis zum Frühling ist es jetzt jeden Tag länger dunkel als hell und es ist höchste Zeit, an die Winterarbeiten an Land zu denken.

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