Wie das Wetter auch wird – boot Düsseldorf 2021 weiter auf Kurs

von Hinnerk Weiler am 04.11.2020 / in Events

Man wisse nicht genau, was kommt. Also hält man Kurs. – Die Marschrichtung von boot Düsseldorf Projektmanager Petros Michelidakis, ist ein vernünftiger Weg in dieser Zeit. Am Rhein bereitet man sich daher weiter auf eine Messe unter ganz neuen Umständen aber mit einem bereits bewährten Konzept vor. Die Stimmung im Hause war bei der ersten virtuellen Media Conference in Düsseldorf entsprechend zuversichtlich.

Hinter den Kulissen wird schon über den ganzen Sommer hinweg an der nächsten Ausgabe der weltgrößten Wassersportmesse gearbeitet. Die Organisatoren sind überzeugt: Eine sichere Durchführung der Messe ist auch unter den neuen Maßgaben möglich. Freudig konnte Michelidakis vermelden, dass, rund drei Monate vor der boot Düsseldorf 2021 bereits alle Schiffs- und Ausrüsterhallen gut gebucht sind.

Wer aber abseits von Mikrofonen mit Vertretern der Firmen hinter diesen Buchungszahlen spricht, muss oft etwas länger nach Begeisterung suchen: Man wird die Messe besuchen, man will Teil eines positiven Signals sein, aber so ganz überzeugt sind viele dann noch nicht.

Menschengruppe am DHH Stand

Wird es 2021 eher nicht geben: Menschenansammlungen und Klönen dicht an Dicht. (Foto: Messe Düsseldorf, Constanze Tillmann)

Das liegt nicht am Hygienekonzept, dem Schlagwort der Wirtschaft im Jahr 2020. Das wurde auf dem Caravan Salon im Spätsommer 2020 bereits erprobt, mittlerweile verfeinert und nun auf die boot 2021 angepasst. Dieses Konzept umzusetzen dürfte allen vergleichsweise leicht fallen: Mehr noch als vor einigen Monaten haben sich inzwischen alle an den Umgang mit Masken als Bestandteil des Alltags gewöhnt. Wir erkennen inzwischen einen „gesunden“ Abstand und das Konzept der Düsseldorfer ist schlüssig. Es gilt, erforderliche Distanz zu waren, Ansammlungen von Besuchern zu vermeiden, und trotzdem wird es Mitmachprogramme auf der Messe geben. Darunter auch das von mir mitorganisierte Refit-Center. Mit Fachvorträgen rund um Bootsbau, Werterhaltung und Instandsetzung von Booten. Die Workshops haben wir allerdings auf die Bühne verlegt, im Zuschauerbereich wird entsprechend auf Abstand zwischen den Sitzplätzen geachtet. Das ganze Programm wird durch die Corona-Pandemie entschleunigt und aufgelockert.

Workshopps mit mehr Abstand: Themen finden auf der kommenden boot Düsseldorf im Refit Center alle auf der Bühne statt. (Foto: Messe Düsseldorf, Constanze Tillmann)

Wo es im Gespräch mit Firmenvertretern Zurückhaltung gibt, da richten sich die Befürchtungen also statt auf die eigene Gesundheit vor allem auf das Besucherinteresse. Hier hatte der Caravan Salon im Spätsommer nach den ersten Lockdowns den Vorteil, bei vielen Besuchern eine gewisse „jetzt-erst-recht“-Haltung zu provozieren. Man wollte raus, man wollte der Welt zeigen, dass alles wieder weitgehend normal ist.

Die rasanten Infektionszahlen dieses Herbsts haben uns das Gegenteil bewiesen und werden viele Besucher vorsichtiger werden lassen. Während einer abflauenden zweiten Welle im Januar braucht die Branche darum mehr denn je eine einheitliche Grundhaltung: mit Blick nach vorn, besseren Zeiten entgegen. Das zu unterstreichen muss die Hauptaufgabe der kommenden boot Düsseldorf werden.

COVID-19 mit uneinheitlichen Folgen für Aussteller

Als Wassersportmesse richtet sich die boot an alle Bereiche der Freizeitgestaltung auf dem Wasser. Dazu gehören neben dem Namensgeber Boote auch Bootsausrüstung. Natürlich aber seit langem auch alle Facetten des Surfens, Tauchens und weiterer Arten der Freizeitgestaltung auf dem Wasser.

Während die Verkäufe in vielen Bereichen nach den Lockdowns des Frühlings durch die Decke gingen, durchleben vor allem die Anbieter von Reisen im Wassersportsektor in Europa schwerste Zeiten.

Tauchreisen finden faktisch seit einem halben Jahr nicht mehr statt, ebenso verbrachten viele Charteryachten die Saison ungenutzt im Hafen. Dieser Trend wurde zwar im Sommer leicht gebrochen, trifft nun aber mit den neuerlichen Lockdowns in Europa vor allem die Herbst- und Wintersaison im Mittelmeer schwer.

COVID-19 Gewinner sind vor allem die Verkäufer von Booten und Zubehör. Die Nachfrage nach Angeboten zum Reisen liegt dagegen am Boden. Foto: Messe Düsseldorf, Constanze Tillmann.

Das könnte sich mit Verzögerung auch auf die Auftragslage der Serien-Yachtwerften auswirken. Aktuell freut man sich hier noch über viele Aufträge aus dem privaten Bereich. Das sind vor allem kleinere Boote, ebenfalls bestellt durch den Motor: „Jetzt-erst-recht“.

Die Umsatzeinbrüche in den Charterunternehmen werden Auswirkung auf die Yachthersteller haben. Denn Flotten können mangels Geld nicht modernisiert oder weiter ausgebaut werden. Corona behält die Wassersportbranche also auf diesem Weg noch eine Weile im Griff.

Die kommenden Monate entscheiden, wie 2021 für die Yachthersteller aussieht. „Es ist sehr schwer im Moment Trends zu beschreiben“, stellte Bavaria CEO Michael Müller auf der boot Düsseldorf Virtual Media Conference fest.

Virtuelle Bootsmessen sind keine Alternative

Auf andere Plattformen auszuweichen ist für Müller und alle, die in der Wassersportbranche agieren, aber auch keine Option: „Kunden müssen das Produkt sehen“. Das Konzept einer Bootsmesse lässt sich nachvollziehbar nicht wie eine Fachmesse kurzerhand digital umsetzen. Letzteres funktioniert gut, wo es um reine Wissensvermittlung geht. Auch da, wo fachliche Spezifikationen eine wesentliche Rolle spielen, lässt sich digital viel erreichen und der kleine Rest dann in einer Videokonferenz erledigen. – Wassersport ist aber, emotionsgebunden. Es gibt keine emotionslose Begründung dafür, sich ein Schiff oder Surfbrett zu kaufen und damit aufs Wasser zu gehen. Menschen und Boote zusammenzubringen, geht nur, indem man Boote anfassen kann.

Das soll um jeden Preis im Januar 2021 möglich gemacht werden. Es bleibt zu hoffen und den Veranstaltern zu wünschen, dass es auch so passieren kann. Dazu braucht es Grundvertrauen und Mut, den Petros Michelidakis zu Beginn der Veranstaltung heute ganz beiläufig als Selbstverständlichkeit präsentierte:

„Wenn man nicht weiß, wie das Wetter wird, hält man eben Kurs“.

Titelfoto: Petros Michelidakis bei der boot Düsseldorf Virtual Media Conference 2021 (Foto: Messe Düsseldorf)

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